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Aufbau einer friedenserhaltenden Dialoglinie über die Zusammenarbeit und Koexistenz der Kulturen und Zivilisationen im OSZE-Raum

Kontakt: Dr Arne Seifert, Dr Anna Kreikemeyer


Im Verhältnis säkularer Kräfte zum politischen Islamismus verdient das "Modell Tadschikistan" besondere Beachtung. Hier hat die Partei der islamischen Wiedergeburt nach Beendigung des Bürgerkrieges nicht nur der Gewalt abgeschworen, sondern sie ist seit 1997 auf der Grundlage einer säkularen Verfassung am Aufbau des Staates beteiligt. Das vom Auswärtigen Amt geförderte CORE-Dialogprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, diesen säkular-islamischen Dialog wissenschaftlich zu begleiten und damit nicht zuletzt mit Blick auf die Zusammenarbeit und Koexistenz der Kulturen und Zivilisationen im gemeinsamen euro-asiatischen politischen Raum politisch zu unterstützen.

Während dreier Forschungsaufenthalte der beiden deutschen Projektbearbeiter fanden zahlreiche Einzeltreffen mit zwölf tadschikischen GesprächspartnerInnen sowie eine gemeinsame Diskussion eines Resumés der Einzelbeiträge aller Beteiligten am Runden Tisch statt. Damit wurde ein kontinuierlicher Dialog innerhalb einen konstanten Gruppe eingeleitet, der eigendynamische Prozesse der Reflexion und Vertrauensbildung ermöglicht. Auf Vorschlag des tadschikischen Außenministers wurde schliesslich im Dezember 2001 eine Informelle Deutsch-Tadschikische Arbeitsgruppe eingerichtet. Parallel zu den Dialogaktivitäten vor Ort führte CORE als deutscher Projektträger im Laufe des Jahres 2001 auf verschiedenen Ebenen Dialogaktivitäten mit Tadschikistan und anderen zentralasiatischen Staaten durch (Vortrag des tadschikischen stellv. Ministerpräsidenten und Workshop zu "Islam und OSZE in Zentralasien" sowie einen Empfang einer Delegation zentralasiatischer Parlamentarier)

Folgende Ergebnisse des ersten Forschungsjahres sind von zentraler Bedeutung:

  • Bei der Suche nach der Qualität von Nation, Staat und politischem System gibt es keine prinzipiellen, kulturell-zivilisatorischen Gegensätze zwischen gemäßigten Islamisten und Säkularisten. Das Verhältnis ist in friedlichen Bahnen haltbar, wenn die gravierenden sozioökonomischen Probleme des Landes gelöst werden können.
  • Alle tadschikischen Gesprächspartner verurteilten die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA und distanzierten sich vom Terrorismus als Mittel der Politik. Gleichwohl wiesen sie jedoch darauf hin, eine antidemokratische, repressive Position von seiten säkularer Regimes die zur Zeit wichtigsten "Reserve" für eine Agitation radikaler Islamisten in der Region ist.
  • Das Dialogprojekt ist nicht nur für "säkular-islamische Konfliktkonstellationen" anderer zentralasiatischer Staaten von zentraler Bedeutung
  • Aus dem innertadschikischen Dialogprozess erwachsen auch erste Leitlinien für die weitere Gestaltung eines Dialogs der Kulturen im gemeinsamen euroasiatischen politischen Raum.

Infoblatt CORE Zentralasien Arbeitsgruppe

Veröffentlichungen aus dem Projekt