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Neuerscheinung: Anarchistische Gewalt und die Entwicklung des Strafrechts

In der Terrorismusforschung haben in den vergangenen Jahren historische Fälle politischer Gewalt an Bedeutung gewonnen. Insbesondere die Welle anarchistischer Attentate und Anschläge Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wird dabei herangezogen, um historisch-vergleichend Prozesse der Radikalisierung, aber auch Effekte der Terrorismusbekämpfung besser zu verstehen.

 


Mit dem von den Rechtshistorikern Karl Härter, Tina Hannappel und Jean Conrad Tyrichter herausgegeben Band "The Transnationalisation of Criminal Law in the Nineteenth and Twentieth Century" liegen nun eine Reihe von Studien vor, die sich mit der transnationalen Entwicklung des Strafrechts vor dem Hintergrund politischer Dissidenz im 19. und 20. Jahrhundert befassen. Sie bieten damit, wie der Verlag Vittorio Klostermann schreibt, "auch rechtshistorische Deutungen für aktuelle Probleme des internationalen Strafrechts".

 


Der Band enthält auch einen Beitrag von IFSH-Mitarbeiter Holger Marcks, der aus einer kritischen Perspektive "die Bedrohung durch den 'internationalen anarchistischen Terrorismus' als Rechtfertigungsnarrativ dekonstruiert, das genutzt wurde, um die anarchistische Ideologie im Allgemeinen für politische Attentate verantwortlich zu machen, politischen Widerspruch zu kriminalisieren sowie die Normen und Praktiken von … transnationalen Strafrechtsregimen zu formen" (so Karl Härter in seiner Einleitung).

 


Der Band, der in der Reihe "Studien zu Policey, Kriminalitätsgeschichte und Konfliktforschung" erschienen ist, lässt sich über die Seite des Verlags beziehen. Dort finden sich auch das Inhaltverzeichnis und eine Leseprobe.

 


Holger Marcks, "Who's the Criminal? Anarchist Assassinations and the Normative Conflict about Legitimate Violence", in: Karl Härter, Tina Hannappel and Jean Conrad Tyrichter (Hg.), The Transnationalisation of Criminal Law in the Nineteenth and Twentieth Century. Political Crime, Police Cooperation, Security Regimes and Normative Orders (= Studien zu Policey, Kriminalitätsgeschichte und Konfliktforschung), Frankfurt a.M: Klostermann, 2019), S. 99–132.