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Cybersicherheit – öffentliche Info-Veranstaltung im Bundestag mit Beteiligung des IFSH

Attacken aus dem Internet nehmen zu. Die Ziele sind vielfältig: Regierungen, Stromversorger oder auch das Militär. Und unter den Akteuren finden sich zunehmend auch staatliche Cyber-Einheiten. Denn mittlerweile sind jede Fregatte und jeder Hubschrauber der Bundeswehr nur mit digitaler Technik einsatzfähig. Wo lauern die Gefahren? Wie kann man ihnen begegnen? Darum ging es bei einem öffentlichen Fachgespräch am 12. September im Deutschen Bundestag. Die Bundestagsfraktion „Die Linke“ hatte dazu Vertreter von Sicherheitsbehörden und IT-Experten eingeladen. Das IFSH wurde durch Thomas Reinhold vertreten. Der Wissenschaftler arbeitet am Institut zum Thema Cybersicherheit, Cyberwar und Cyberpeace.

 

In seinem Vortrag ging Thomas Reinhold vor allem auf die Risiken der Militarisierung dieser Domäne ein. Gerade beim Einsatz von Cyberwaffen bestehe eine große Gefahr darin, dass es für den Einsatz dieser Waffen noch keine international verbindlichen Regeln gibt, warnte der IT-Experte. Auch die viel diskutierten sogenannten „Hack Backs“ seien umstritten. Das sind Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, IT-Systeme von denen die Cyber-Angriffe ausgehen, durch Gegenmaßnahmen gezielt zu zerstören. Der Nutzen solcher Störmanöver sei zweifelhaft, die Gefahren von Fehlinterpretationen und damit einhergehenden Fehlreaktionen hoch, so Reinhold.

 

Eine weitere Schwierigkeit sieht der IT-Experte darin, dass die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist. Das heißt: Über jeden bewaffneten Einsatz muss einzeln entschieden werden. Die offensiven Cyber-Fähigkeiten der Bundeswehr seien damit schwer in Einklang zu bringen, erklärte Thomas Reinhold.

 

Sein Fazit: Die neuen digitalen Waffentechnologien und die Militarisierung des Cyberspace würden bislang unzureichend kritisch wissenschaftlich begleitet. Außerdem bedarf es dringend internationale Abkommen, die Rüstungskontrolle und Abrüstung regeln. Nur so könne die Aufrüstungsdynamik in diesem Bereich gestoppt werden, so der Friedensforscher.