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Multinationale Polizeiunterstützung: Ausländische Experten in Konflikt- und Postkonfliktstaaten

Polizeiarbeit ist zunehmend grenzübergreifend. Viele internationale polizeiliche Programme sind auf Konflikt- und Postkonfliktstaaten ausgerichtet. Hier unterstützen ausländische Experten örtliche Polizeibehörden durch Ausbildungs- und Ausstattungshilfe und Beratung bei institutionellen Reformen. Die Forschung zu inter- und transnationaler Polizeihilfe hat zugenommen, allerdings ist wenig bekannt darüber, wie Mitglieder multinationaler Polizeimissionen und -programme ihre Mandate implementieren und welche Mechanismen hierbei wirken. Ein besseres Verständnis von polizeilicher Unterstützung ist auch deshalb nötig, weil diese das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft verändern kann und damit eine nicht nur technische, sondern zutiefst politische Form der Intervention darstellt.

Dieses Projekt, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über drei Jahre (2018-2021) finanziert, will die Rolle von Polizeiexperten als Akteure globalen Regierens beleuchten. Angesiedelt in den internationalen Beziehungen und der Sicherheitspolitik, und Bezug nehmend auf die Polizeiforschung, Kriminologie und Organisationsforschung, untersucht das Projekt die Praktiken von Polizeiexperten. Wir analysieren, wie diese Experten ihre lokalen Partner ausbilden, ausstatten, beraten und institutionell reformieren, sowie auch mögliche Konflikte auf internationaler- und transnationaler Ebene etwa bezüglich des Grades polizeilicher Militarisierung. Zweitens wollen wir kausale Mechanismen identifizieren, die den Praktiken von Polizeiexperten zugrunde liegen; wir fragen, welche Rolle das das institutionelle Umfeld, insbesondere die Polizeiorganisationen von Geberstaaten, für die Implementierung polizeilicher Unterstützung im Feld spielen.

Das Projekt, das sich empirisch auf Missionen und Programme der EU im Westbalkan und post-sowjetischen Staaten konzentriert, trägt zu einem besseren Verständnis polizeilicher Unterstützung und Reform bei. Genereller erforscht es die Mikroprozesse globalen Regierens im Feld des Staatsaufbaus.