Kontextspalte

Inhalt

Die Wissenspolitik der (Un)Sicherheit im Anthropozän

Wir stehen am Beginn eines neuen Erdzeitalters: dem Anthropozän. Das Anthropozän bezeichnet das Zeitalter, in dem der Mensch die Kontrolle über den Planeten übernommen hat und durch sein Einwirken das globale Erdsystem aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Das von der DFG förderte Forschungsprojekt entwickelt eine neue Perspektive auf Sicherheit im Zeitalter des Anthropozäns. Das zentrale Argument dabei ist, dass planetarer Wandel und einhergehende Sicherheitsgefahren nicht objektiv gegeben sind. Vielmehr werden sie durch die Diskurse und Praktiken einer Vielzahl an Expertinnen und Experten, von Erdsystem- und Klimaforscherinnen, über Fernerkundungsspezialisten, Sicherheitsberaterinnen bis hin zu Praktikern im Katastrophenschutz und Sicherheitsbereich, hervorgebracht. Die zunehmende Kooperation dieser heterogenen Akteure und die damit einhergehende zunehmende Verschmelzung von Wissens- und Sicherheitspolitik im Anthropozän nimmt das vorgeschlagene Forschungsprojekt in den Blick. Zu diesem Zweck entwickelt Dr. Rothe mit seinem Team ein neues theoretisches Framework, das Elemente aus zwei aktuellen Theoriedebatten in den IB, dem Praxis Turn und dem Visual Turn, aufgreift und kombiniert. Ausgestattet mit diesem Framework untersucht das Projekt, wie und von wem Wissen über planetaren Wandel und damit einhergehende Sicherheitsrisiken produziert, verbreitet oder blockiert wird; wie es in den Sicherheitsbereich transportiert und wie es in diesem Prozess uminterpretiert und übersetzt wird. Diese Fragen werden in drei unterschiedlichen Fallstudien beantwortet. Eine erste Fallstudie beschäftigt sich mit Praktiken der Satellitenfernerkundung als eine Möglichkeit, Umweltveränderungen und mögliche daraus resultierende Sicherheitsrisiken, wie Konflikte oder Migration, vorherzusagen und damit zu verhindern. Eine zweite Fallstudie untersucht Praktiken der Resilienzförderung in von Umweltveränderungen besonders stark bedrohten Städten und Regionen. Eine dritte Fallstudie nimmt Geoengineering als eine präemptive Sicherheitstechnologie in den Blick.