Die Nuklearwaffen-Situation im Lichte des russischen Kriegs - SRF-Interview

 

Im Interview mit dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) spricht Rüstungskontrollexperte Dr. Ulrich Kühn über das derzeitige Risiko eines Atomkriegs. Die russische Invasion der Ukraine sende ein sehr schlechtes Zeichen an Staaten, die bisher keine Atomwaffen hätten. Denn Russland bedrohe den Westen mit Atomwaffen, damit dieser sich aus dem Konflikt heraushalte. Dies würde Anreize sich atomar zu rüsten verstärken. Atomwaffen rücken jedoch nicht erst seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine wieder verstärkt in den Mittelpunkt der Debatte. So habe seit der Jahrtausendwende eine Trendwende stattgefunden, in der sich nicht ausreichend um kooperative Rüstungskontrolle gekümmert wurde, so Kühn. Deshalb existiere heute mit dem New-START-Vertrag nur noch ein nennenswerter Rüstungskontrollvertrag in dem Bereich. Es sei bedauernswert, dass es weltweit trotz des Endes des Kalten Kriegs immer noch mehr als 10.000 atomare Sprengköpfe gebe. Dies sei eine ausreichende Menge, um die Menschheit mehrfach auszulöschen. Vereinzelt seien jedoch auch positive Entwicklungen in dem Bereich zu beobachten, so Friedensforscher Kühn. Seit 2021 sei etwa der Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) in Kraft getreten. Da die Atommächte diesen Vertrag jedoch nicht unterzeichnet haben, sei zu erwarten, dass der derzeit herrschende Enthusiasmus um den AVV bald enden könnte.


Das SRF-Interview vom 13 Juni 2022 können Sie hier hören.