Aufwachen, ihr Schlafwandler! Gastbeitrag im Freitag

 

In seinem neuesten Gastbeitrag für die Wochenzeitschrift der Freitag äußert sich IFSH-Senior Fellow Dr. Hans-Georg Ehrhart besorgt über Russlands Raketenstationierung in Weißrussland.
Während russische Truppen seit Monaten versuchten, die hart umkämpfte ukrainische Stadt Bachmut einzunehmen, habe sich die Eskalationsspirale in den vergangenen Tagen unvermindert weiter gedreht: Die Slowakei begann mit der Lieferung von MIG-29 Kampfjets, Deutschland mit der Übergabe von Leopard-2-Panzern und Großbritannien erklärte, mit abgereichertem Uran versehene panzerbrechende Waffen zu überreichen.
Russlands Präsident Wladimir Putin wiederum kündigte seinerseits die Stationierung taktischer Atomwaffen im Nachbarland Belarus an. Offiziell präsentierte Putin die Stationierung als Antwort auf die seit Jahrzehnten in Europa befindlichen US-Atomwaffen und als Schutz für das an drei NATO-Mitglieder angrenzende Belarus. Tatsächlich sei sie aber wohl eher als Drohung gegen die verstärkte militärische Unterstützung durch den Westen und die Absicht Kiews gedacht, die Krim zurückzuerobern, beobachtet Ehrhart. Moskau verschaffe sich damit neue militärische Optionen für das Schlachtfeld und einen zusätzlichen Verhandlungschip für die angestrebte Neuordnung Europas. Für viele Experten möge die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation auf die nukleare Ebene noch immer gering sein. Dass sie mit der Stationierung russischer Atomwaffen in Belarus aber durchaus größer werde, könnten auch sie nicht ernsthaft bestreiten, konstatiert der Friedensforscher. Darum ist es seiner Ansicht nach höchste Zeit, das „Schlafwandeln in Richtung Abgrund“ zu beenden.

Hans-Georg Ehrharts Gastbeitrag "Wacht endlich auf" in der Ausgabe der Wochenzeitung der freitag vom 30.03.2023 können Sie hier lesen.