Wieviel Schutz bieten Raketenabwehrsysteme wirklich? IFSH-Expert:innen im Interview

 

Nach den Raketenangriffen auf die Ukraine und dem tragischen Unfall, bei dem eine Rakete auf polnisches Hoheitsgebiet einschlug und zwei Menschen tötete, mehren sich Forderungen nach neuen Raketenabwehrsystemen.  Im Film „Was ein Raketenschutzschirm kann – und was nicht“ auf ZEIT online erläutert Dr. Ulrich Kühn, warum ein solches System nur vermeintlich Schutz bietet.
Unter anderem erläutert der Friedensforscher, warum ein Verweis auf Israel, bei dem Raketenabwehrsysteme durchaus erfolgreich eingesetzt werden, schwierig ist. Die Bedrohungslage und die geografischen Voraussetzungen seien in Israel und Europa grundlegend verschieden, so Kühn. Er fordert mehr Ehrlichkeit in der Debatte, denn eine ernsthafte Raketenabwehr koste sehr viel Geld. Vor allem aber erhöhe sie das Risiko eines neuen Rüstungswettlaufs. Je mehr Abwehr-Raketen man abschicke, desto höher sei die Abfangchance. Daraus ergebe sich ein Ungleichgewicht, bei dem die verteidigende Seite eigentlich immer die schlechtere Position habe, so Kühn. Dadurch könnte ein neuer Rüstungswettlauf befeuert werden, der wiederum destabilisierend wirke.   

Den Film „Was ein Raketenschutzschirm kann – und was nicht“ auf ZEIT online vom 14. Dezember 2022 sehen Sie hier

 

Weitere Medienauftritte zum Thema „Raketenabwehr“


Im Interview mit dem WDR 5 Morgenecho spricht Rüstungskontrollexperte Dr. Ulrich Kühn über das jüngst an die Ukraine ausgelieferte Raketenabwehrsystem Iris-T. Das System sei da-bei noch so neu, dass selbst die Bundeswehr es noch nicht im Einsatz habe. Iris-T könne ein Gebiet in der Größe von halb Nürnberg abdecken und gegen ballistische Raketen, Marschflugkörper, Drohnen und Flugzeuge wirken. Kühn merkt jedoch auch an, dass dieses eine System nicht ausreichend sei, um die Ukraine in der Fläche zu schützen.  
Das gesamte Interview im WDR 5 Morgenecho vom 13.10.2022 können Sie hier nachhören.


Unterdessen gibt es erste Forderungen, auch Deutschland mit einem entsprechenden Schutzschirm auszurüsten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach sich dafür aus, ein Raketenabwehrsystem für deutsche Großstädte einzurichten. Auf zdf.de beantwortet Anja Dahlmann, Leiterin des IFSH Büro Berlin, die Frage, ob diese Forderung sinnvoll und umsetzbar ist.  
Den Artikel „Ist Söders Anti-Putin-Schutzschirm“ in der Rubrik „Faktencheck“ auf zdf.de vom 17.10.2022 lesen Sie hier.