Mit Video: Der Ukrainekrieg und die Rüstungskontrolle

Ringvorlesung an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr

 

Die Rolle der Rüstungskontrolle, Russlands Drohungen gegen den Westen und die veränderte weltpolitische Lage durch den Krieg in der Ukraine - das waren die Themen eines Gastvortrages, den Dr. Ulrich Kühn an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr gehalten hat. Der Vortrag war Teil einer Ringvorlesung der HSU, die den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine aus der Sicht der Friedens- und Konfliktforschung beleuchtete.

Der nukleare Frieden zwischen den Atomgroßmächten sei weiterhin gesichert und der Einsatz von Atomwaffen immer noch ein Tabu, so Kühn. Jedoch führe die Stationierung von Atomwaffen zu Instabilität in den nichtnuklearen Zonen des Konfliktgeschehens. So vermochte es die Ukraine nicht, Russland abzuschrecken und den militärischen Angriff zu verhindern. Russlands Überfall auf das Nachbarland und seine Drohungen an den Westen, jegliche Beteiligung am Krieg zu unterlassen, bestätigten wissenschaftliche Annahmen, dass offensive nukleare Nötigungen nur selten zielführend, sondern Atomwaffen allenfalls zur defensiven Abschreckung geeignet seien, erklärte Friedensforscher Kühn.

Aufgrund der sich verschlechternden Beziehungen von Staaten erodiere die Rüstungskontrolle weiter, warnte der IFSH-Wissenschaftler. Risikoreduzierende Maßnahmen könnten bei der Einhegung unbeabsichtigter Eskalationsdynamiken das kooperative Eskalationsmanagement unterstützen. So könnten bestehende Rüstungskontrollverträge in Zeiten extremer militärischer Spannung weiterhin bedient werden, sie würden sich jedoch in Kriegszeiten häufig als unbedeutsam erweisen.

Seine Vorlesung schließt Friedensforscher Kühn mit vier Warnungen:

  • Die im Ukrainekrieg nur scheinbar erkennbaren Kausalzusammenhänge aus nuklearen Drohungen sind nichts weiter als eine unvollständige Annährung an eine hochkomplexe Lage, die den Einsatz von Atomwaffen als unwahrscheinlich, aber auch durchaus möglich erscheinen lassen.
  • Unser Verständnis des Stabilitäts-Instabilitäts-Paradoxons beruhe in großen Teilen auf Erfahrungen des Kalten Kriegs. Diese Erfahrungen könnten heute so nicht mehr gelten.
  • Der nukleare Frieden könne bestehende Ungerechtigkeiten verschärfen und der Bewältigung globaler Herausforderung im Wege stehen.
  • Globale Ordnungsideen der Nichtverbreitung und Abrüstung könnten vollends marginalisiert werden und Staaten sich atomare Sicherheitsgarantien durch Bündnisse oder Aufrüstung suchen.

Ulrich Kühns Gastvorlesung "Rüstungskontrolle vor, während und nach dem Krieg in der Ukraine" vom 17. Mai 2022 können Sie hier nachschauen.