Workshop zur Umsetzung internationaler Normen auf lokaler Ebene

 

Internationale Normen werden oft erst durch ihre Umsetzung auf lokaler Ebene realisiert, etwa, wenn Staaten diese Normen in nationale Verwaltungs- oder Rechtsakte überführen müssen oder Regionalorganisationen die Einhaltung globaler Normen für die jeweiligen regionalen Verantwortungsbereiche überwachen. In der Forschung sind derartige Prozesse unter dem Schlagwort der Normdiffusion seit ca. 20 Jahren Gegenstand umfangreicher Untersuchungen.

Am 5. und 6. Juli veranstaltete IFSH-Wissenschaftler Holger Niemann gemeinsam mit Antonia Graf (Universität Münster), Bastian Loges (Technische Universität Braunschweig ) und Nils Stockmann (Universität Münster) einen Workshop mit dem Titel „After Diffusion: Neue Perspektiven auf Dynamiken der Normumsetzung“. Die Teilnehmer*innen des Workshops diskutierten über die Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeiten derartiger Prozesse der Umsetzung internationaler Normen. Denn auch wenn die Forschung längst aufzeigen konnte, dass die Umsetzung internationaler Normen kein linearer Top-down-Prozess ist, sind zahlreiche Fragen weiterhin ungeklärt: Welche Rolle spielen lokale oder kulturell kontextualisierte Praktiken, unterschiedliche Definitionen des „Lokalen“ (Regionen, Staaten, substaatliche Ebenen), heterogene Akteurskonstellationen und unklare formale Zuständigkeiten bei der Umsetzung internationaler Normen? Ausgangspunkt des Workshops war die Annahme, dass Normumsetzung grundsätzliche Fragen nach den Dynamiken des Überschreitens von Handlungsebenen und Räumen aufwirft, aber auch die Grenzen etablierter methodologischer und disziplinärer Zugänge aufzeigt.

Die Workshopteilnehmer*innen diskutierten in einer Kombination aus Einzelvorträgen, interaktiven Kleingruppenformaten sowie zwei Podiumsdiskussionen den existierenden Forschungsstand zu Fragen der Normumsetzung, den Mehrwert von Konzepten wie der Diffusion, Übersetzung und Lokalisierung internationaler Normen sowie die methodologischen Herausforderungen partizipativer Forschungsansätze. Dabei zeigte sich, dass trotz der Vielzahl unterschiedlicher Erklärungsansätze die Umsetzung internationaler Normen nicht losgelöst von Fragen nach Interessen, global-lokalen Interaktionsdynamiken und forschungsmethodischer Reflexionen untersucht werden kann.

Der Workshop wurde im Rahmen der Themengruppe IB-Normenforschung der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft veranstaltet und durch die Fritz Thyssen Stiftung gefördert.

Das ausführliche Programm findet sich hier.