IFSH erhält 100.000 US-Dollar Fördermittel für ein Forschungsprojekt zur deutschen Nuklearwaffenpolitik


In den letzten Jahren hat die deutsche Atomwaffendebatte einen bemerkenswerten Aufschwung erfahren - und das nicht erst seit dem erneuten russischen Angriff auf die Ukraine. Das Spektrum der diskutierten politischen Optionen reicht von einer europäisierten Version der französischen Abschreckung über den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland bis hin zum Beitritt Berlins zum neuen Kernwaffenverbotsvertrag (TPNW). Bislang hat sich eine nach der anderen deutschen Regierung allen Aufrufen zum politischen Wandel in dieser Frage widersetzt und stattdessen an einem zerfallenden Status quo festgehalten. Und das während die europäische Sicherheit eine Reihe grundlegender Veränderungen durchläuft – nicht zuletzt durch den Krieg in der Ukraine. Deutschlands Vorliebe für den Status quo gerät zunehmend in Konflikt mit den sich verändernden politischen Realitäten, auch im Nuklearbereich. Die Folgen daraus werden Deutschland und den ganzen Kontinent betreffen. Es ist an der Zeit, einen umfassenden Blick auf die verschiedenen Auswirkungen des Wandels auf Deutschland im Nuklearbereich zu werfen.

Vor diesem Hintergrund hat das IFSH jetzt von der Stanton Foundation eine Einführungsförderung in Höhe von 100.000 US-Dollar für ein Forschungsprojekt zum Thema „Deutsche Nuklearwaffenpolitik im 21. Jahrhundert“ erhalten. Im Rahmen der zweijährigen Förderung (2022-2024) werden die IFSH-Wissenschaftler:innen Dr. Ulrich Kühn und Marina Favaro eine Gruppe international renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenstellen, die einen umfassenden Blick auf die deutsche Nuklearwaffenpolitik im 21. Jahrhundert werfen werden, um zu beurteilen, wie bedeutende Veränderungen auf internationaler Ebene mit der starren deutschen Politik interagieren. Ihre Ergebnisse werden in einem Sammelband zusammengefasst, dessen Veröffentlichung für Ende 2023 geplant ist.

„Ich freue mich sehr über die Zusammenarbeit mit der Stanton Foundation bei einem so wichtigen und aktuellen Thema, das für die europäische und globale nukleare Sicherheit von entscheidender Bedeutung ist", sagt Ulrich Kühn, Leiter des Forschungsbereichs Rüstungskontrolle und Neue Technologien am IFSH. „Wir sind der Stanton Foundation sehr dankbar für diese Förderung, die zu einer Zeit zunehmender Unsicherheit in Europa, auch im nuklearen Bereich, erfolgt.“

„Die Stanton Foundation ist davon überzeugt, dass das vom IFSH vorgeschlagene Buchprojekt einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über nukleare Sicherheit in Deutschland und Europa insgesamt leisten wird. Die Auszeichnung des IFSH in Hamburg mit diesem Einführungsstipendium ist auch eine Anerkennung für die großartige Arbeit, die Dr. Kühn und sein Team in den letzten Jahren im Nuklearbereich geleistet haben", sagt Erica Carere, Program Officer bei der Stanton Foundation.

Die Stanton Foundation ist eine private Stiftung mit Sitz in den USA, die von Frank Stanton gegründet wurde, einem langjährigen Präsidenten des Columbia Broadcasting System (CBS) und Berater von Präsident Eisenhower in nuklearen Fragen in den 1950er Jahren. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Unterstützung der politischen Forschung im Bereich der internationalen Sicherheit, mit besonderem Augenmerk auf die nukleare Sicherheit.

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