Wie können Friedensforschung und Friedensbildung Wissen schaffen und vermitteln?

Gemeinsame Veranstaltung des IFSH und der Berghof Foundation

Das IFSH und die Berghof Foundation: Beide Institute feiern im Jahr 2021 ihr 50-jähriges Bestehen und beide Einrichtungen vermitteln Wissen und Ideen für eine sicherere und friedlichere Welt. Im Rahmen ihrer Institutsjubiläen luden das IFSH und die Berghof Foundation am 25. November zu einer gemeinsamen virtuellen Diskussionsveranstaltung ein. Unter dem Titel „Knowledge for a complex world? Rethinking the roles of peace research and peace education“ ging es um die zentrale Frage, wie die Friedensforschung und die Friedenserziehung ihre Expertise und ihre Kompetenzen bündeln können, um gemeinsam Wissen für eine immer komplexere Welt zu schaffen und zu vermitteln.

Gemeinsame Themen, ähnlicher Auftrag

Die aktuellen Bedrohungen wie die Corona-Pandemie, der Klimawandel und zusätzliche sicherheitspolitischen Risiken durch neue Technologien zeigen, dass die weltweite Sicherheit durch immer komplexere Bedrohungen gefährdet ist. Das stellt zum einen die Politik vor neue Herausforderungen. Zum anderen muss aber auch hinterfragt werden, wie konkretes Wissen über sicherheitspolitische Zusammenhänge produziert und verbreitet wird. Eine Wiederannäherung von Friedensforschung und der Friedensbildung ist da naheliegend. Die beiden Felder haben sich trotz gemeinsamer Ursprünge zunehmend voneinander entfernt und im Lichte der aktuellen Herausforderungen erscheint eine engere Zusammenarbeit geboten. Beide Disziplinen werden mit den aktuellen politischen Herausforderungen konfrontiert. Hatte die Friedensforschung früher vor allem bewaffnete Konflikte im Fokus, müsse sich nun ihre Sichtweise öffnen, plädierte IFSH-Direktorin Prof. Dr. Ursula Schröder in ihrer Begrüßungsrede. Es gehe darum, einen nachhaltigeren Frieden zu schaffen und auf globale Herausforderungen zu reagieren. Deshalb müsse Wissen über Frieden gebündelt, geteilt und verbreitet werden, so die IFSH-Direktorin.

International besetztes Podium

An der sich anschließenden rund einstündigen Diskussion nahmen Berit Bliesemann de Guevara, Professorin in der Abteilung „Internationale Politik“ an der Aberystwyth University, Elvira Rosert, Juniorprofessorin am IFSH und der Universität Hamburg, Norbert Friters-Reemann, Professor für Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Aachen sowie Tony Jenkins, Geschäftsführer des International Institute on Peace Education, Georgetown University in Washington D.C teil. Dr. Holger Niemann und Uli Jaeger führten als Moderatoren durch die Veranstaltung. Die Friedensforscher*innen und -pädagog*innen tauschten sich darüber aus, wie die Friedensbildung die Erkenntnisse der Friedensforschung aufgreifen und verbreiten kann.
Die Analysekompetenz der Wissenschaft sei dabei ein wichtiger Baustein, um komplexe Probleme wie den Klimawandel anzugehen, hieß es. Die Wissenschaft zeige zunächst einmal die entscheidenden Faktoren auf, die zu diesem oder jenem Problem führten. Diese zu kennen und die verschiedenen Interessen aller Beteiligten zu verstehen, sei eine Grundvoraussetzung, um Lösungen entwickeln zu können.

Theorie als Stärke und Schwäche zugleich

Ihre Analysefähigkeit und ihr empirisches Wissen sei die Stärke der Wissenschaft, mitunter mangele es jedoch daran, ihre Erkenntnisse und ihren Erfahrungsschatz allgemein verständlich zu transferieren. Hier komme die Friedensbildung ins Spiel. Sie dürfe jedoch nicht mit Erwartungen überfrachtet werden, warnten einige der Panelist*innen. Die Herausforderung und die Chancen lägen in einem breiteren Ansatz der Friedenserziehung, der über die schulische Friedenserziehung hinausgehen müsse.

Nicht nur Wissen zusammentragen, sondern auch diejenigen zusammenbringen, die es produzieren

Nicht mehr Themen in den Stundenplänen seien notwendig, sondern die Förderung von Kompetenzen wie etwa Empathie, zuhören und reflektieren zu können.  
Wichtig sei aber auch das Wissen aus der Friedensforschung für Schüler*innen und nichtwissenschaftliche Zielgruppen entsprechend aufzubereiten, sonst komme es bei den Adressaten nicht an. Und: Nicht nur das Wissen müsse zusammen gebracht werden, sondern auch diejenigen, die es produzierten.

Und was muss geschehen, um die Friedensforschung und die Friedensbildung wieder stärker zusammenzubringen? Interdisziplinarität, über den eigenen Tellerrand schauen, das sei wichtig, um produktiver zu werden, erklärten die Diskutant*innen. Zudem sollte stärker problemorientiert gearbeitet werden.   


Einen Mitschnitt der Veranstaltung „Knowledge for a complex world” vom 25. November 2021 können Sie in Kürze hier sehen.

 

 

Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer IFSH-Veranstaltungsseite